Die Koksöl-Debatte: Was ist dran an der Kritik?

Ernährung – das ist ein großes Thema bei dem jeder etwas zu sagen weiß – klar, denn es betriff jeden von uns. Solange wir leben müssen wir essen und trinken… Im Internet geistern Mythen, Legenden und angebliche Experten herum, die euch ihre Philosophie näherbringen wollen. Die einen Experten sagen, dass Vollkorngetreide sehr gesund ist, die anderen Experten sind davon überzeugt dass Vollkorngetreide giftige Stoffe enthält. Der nächste Experte ergänzt, dass man Dinkel statt Weizen verwenden solle. Ein anderer Experte widerspricht, dass Dinkel ein extrem naher Verwandter des Weizens ist und daher die gleichen ernährungsphysiologischen Eigenschaften hat. Mal ehrlich: welcher normale Mensch hat bei all den selbsternannten Experten noch einen Durchblick?

In diesem Artikel wollen wir nicht wie viele andere mit reißerischen Schlagzeilen wie: „Ernährungsmythen aufgedeckt!!!“ oder den „Esst nur noch Produkt X und ihr werdet gesund!!!!“  auftreten. Nein – wir wollen euch ein wenig aus der Praxis berichten und zum Nachdenken anregen.

Viele Aussagen, die aus derlei reißerischen Berichten kommen, erzählen nur einen Teil der Wahrheit. Im folgenden Text wollen wir euch unsere Sichtweise zu einigen Themen aufzeigen.

 

„Kokosöl ist schlecht, weil es reich an gesättigten Fettsäuren ist!“

Ja, Kokosöl ist reich an gesättigten Fettsäuren. Aber es geht eben auch darum, um welche gesättigte Fettsäure es sich handelt, wie das Kokosöl verarbeitet wurde und in welchen Mengen man Kokosöl verzehrt. Stearinsäure (das ist eine gesättigte Fettsäure) ist etwas ganz anderes als Laurinsäure (die Fettsäure, die ungefähr die Hälfte des Kokosöls ausmacht). Man kann nicht einfach alle gesättigten Fettsäuren „über einen Kamm scheren.“ Übrigens: genauso wenig sind alle ungesättigten Fettsäuren uneingeschränkt „gut“. In großen Mengen können sie durchaus gesundheitliche Probleme hervorrufen.

Natürlich, wenn man Kokosöl härtet entwickelt es schädliche Substanzen. Aber das tun andere Öle auch! Warum also bezeichnet man Kokosöl als „schlecht“ weil es bei massiver Verarbeitung nachteilige Substanzen entwickelt wenn das alle anderen Öle auch tun würden?

Kokosöl als „Gift“ zu bezeichnen, weil es massiv verarbeitet werden kann und es in großen Mengen genossen schädlich ist, ist genauso als würde man ungesättigte Fettsäuren verteufeln weil sie bei falscher Verarbeitung (z.B. Erhitzen) Schadstoffe entwickeln und in großen Mengen schädlich sind.

 

„Leinsamen sind in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe genauso gut wie Chia-Samen. Leinsamen sind aber besser, weil sie heimisch sind!“

Die Wahrheit ist aber: die Anbauflächen für Leinsamen sind in Deutschland verschwindend gering und auch in der EU werden Leinsamen eher selten angebaut. Die mit Abstand größten Anbauflächen liegen in China. Leinsamen sind also heimisch? Ja, sind sie – wenn man streng darauf achtet, nur Leinsamen aus europäischem Anbau einzukaufen. Aber pauschal zu behaupten, dass Leinsamen heimisch sind, ist eben nicht die volle Wahrheit.

 

„Produkte aus dem Ausland sind generell schlechter (also öfter mit Schadstoffen belastet) als regionale Produkte!“

Natürlich: die Transportwege sind (manchmal) kürzer. Aber nehmen wir nun das Beispiel Nordsee-Krabben: manchmal werden diese in der Nordsee gefangen, ins nahegelegene (billige) Ausland gebracht, dort verarbeitet und dann wieder zurück nach Deutschland gebracht. Ist das dann noch „heimisch“? Um hier aus der Praxiserfahrung zu sprechen: wir lehnen hier im Qualitätsmanagement ab und zu Rohwaren ab. Diese kommen dann gar nicht erst in unser Lager. Warum? Weil wir manchmal belastete Produkte finden, z.B. mit Aflatoxinen, Schwermetallen oder Pestiziden. Aller Erfahrung nach kann man aus der Eigenschaft „Herkunft ist Europa“ nicht den Schluss ziehen: „Das Produkt ist frei von Schadstoffen.“

 

„Nüsse sollte man nur aus Europa kaufen, ausländische Nüsse sind oft mit Aflatoxinen belastet!“

Mit der Hintergrundinformation, dass Aflatoxine von Schimmelpilzen gebildet werden, fragen sich wahrscheinlich viele von euch: „Aber in Europa gibt es doch auch Schimmelpilze! Dann müssten europäische Nüsse doch genauso gefährdet sein wie Ware aus dem Ausland?“ Stimmt, sind sie auch!

Man kann vielleicht vermuten, dass der Transportweg kürzer ist, und der Schimmel deswegen weniger Zeit hat zu wachsen – aber grundsätzlich (und das können wir aus der beruflichen Praxis bestätigen) können europäische Nüsse genauso aflatoxinbelastet sein wie welche aus dem Ausland.

 

Unser Fazit....

Natürlich zieht eine reißerische, angstmachende Überschrift wie „Kokosöl ist Gift!!!!“ viel mehr Aufmerksamkeit auf sich als ein informativer, sachlicher Artikel der mühsam recherchierte und zusammengefasste Fakten präsentiert.

Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Beitrag zeigen konnten: es ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Schlussendlich bleibt als Fazit: jedes Lebensmittel ist im Übermaß genossen „schlecht“. Solange eine breite Auswahl an Lebensmitteln in normalen Mengen verzehrt wird, ist kein Lebensmittel „eine Gefahr für die Gesundheit“ oder gar „Gift“.

Mit diesem Beitrag wollen wir euch animieren, Packungstexte und Nährwertinformationen zu lesen, kritisch nachzufragen und selbst zu recherchieren.  Darum hat Govinda entschieden, nicht nur eine sondern gleich zwei Expertinnen in Sachen Ernährung einzustellen: hier arbeiten zwei studierte Ernährungswissenschaftlerinnen. (Und selbst die beiden diskutieren manchmal hitzig über diverse Ernährungsthemen.) Wir wissen natürlich auch nicht alles. Das tut niemand. Aber wir geben uns die größte Mühe, all eure Fragen nach bestem Wissen und Gewissen ehrlich und vollständig zu beantworten.

 

 

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